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 Schüler von Sokon (Bushi) Matsumura waren unter vielen anderen Anko Azato und Yasutsune Itosu, die Lehrer von Gichin (Shoto) Funakoshi, dem Vater des Shotokan Karate Do. Zu Beginn des 20. Jh. tauften Anko Azato und Yasutsune Itosu den Namen Okinawa Te in Kara Te um, was soviel heisst wie leere (Kara) Hand (Te), also die Kunst der leeren Hand, der Kampf mit leeren Händen, ohne Waffen. Es gibt aber noch den philosophischen Aspekt der Kampfkunst Karate, den Kushanku seinem Schüler Shungo (Tode) Sakugawa, dieser seinem Schüler Sokon (Bushi) Matsumura und dieser wiederum seinen Schülern weitergab. Nämlich jenen Sinn der Leere, dass man sich freimacht von allen egoistischen und selbstsüchtigen Gedanken, dass man bescheiden und mutig seine Lebensziele verfolgt. Deshalb beschränkt sich Karate Do nicht auf das Training, fängt zu Beginn des Trainings an und hört mit dessen Ende auf. Karate Do ist vielmehr eine Lebensaufgabe. Alle Aspekte des Karate Do, seien sie physischer, geistiger oder philosophischer Natur, sollen während des ganzen Lebens geübt und nicht trainiert werden. So ist etwa auch der Kampf gegen sich selbst, das stete Überwinden des eigenen Ichs, ein weitaus schwieriger Kampf als der Kampf gegen irgendwelche Gegner. Das Selbst, das Ego, ist der härteste Gegner. Gerade dieser ideologische Ansatz, welcher der grundsätzliche Unterschied zwischen Karate-Do und Karate ist, erschwert eine Vereinbarung mit dem modernen Sport- oder Wettkampf-Karate. Aber darauf komme ich später zurück.
Yasutsune Itosu war der "äussere" Schüler von Sokon (Bushi) Matsumura, der technisch hochbegabte Schüler, während Anko Azato der "innere" Schüler war, technisch zwar auch begabt, aber mit mehr Hang zu den geistigen und philosophischen Aspekten des Karate Do. Yasutsune Itosu ist es auch zu verdanken, dass 1905 Karate in den Schulunterricht Okinawas eingeführt wurde. Anko Azato hingegen war der weitaus strengere Lehrer und legte ungemein viel Wert auf die Einhaltung des Do, des Kodex, von Ehre, Anstand und Respekt. Er war es auch der das Dojo Kun, die Verhaltensregeln, verfasste, die an sich die Seele des Karate Do verkörpern und folgende fünf Regeln umfassen: Dojo Kun - Hitotsu! Jin kaku kansei ni tsutomeru koto! "Bemühe Dich stets Deinen Charakter zu vervollkommnen!" Diese Regel bezieht sich auf das Verhältnis des Menschen zu sich selbst.
- Hitotsu! Makoto no michi o mamoru koto! "Bewahre den Geist der Aufrichtigkeit!" Diese Regel bezieht sich auf das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt.
- Hitotsu! Doryoku no seishin o yashinau koto! "Übe mit Ausdauer, damit Du Deine Ziele erreichst!" Diese Regel bezieht sich auf die Verwirklichung des Menschen in seinen persönlichen Lebenszielen.
- Hitotsu! Regi o omunzuru koto! "Ehre die Prinzipien der Etikette!" Diese Regel bezieht sich auf die Verhaltensformen die ein Mensch beachten sollte, wenn er von seiner Umwelt verstanden und akzeptiert werden will.
- Hitotsu! Kekki no yû o imashimuro koto! "Verzichte auf Gewalt!" Diese Regel bezieht sich auf die innere Haltung des Menschen zu konfliktfreiem, gewaltlosem, pazifistischem Verhalten.
Anko Azato und Yasutsune Itosu entwickelten die ihnen von ihrem Lehrer Sokon (Bushi Matsumura übermittelten Kata Tekki, Passai (Bassai), Kushanku (Kanku), Jion, Hangetsu, Wankan, Chinte und Gankaku gemeinsam weiter und kreierten daraus die Kata Tekki Nidan und Tekki Sandan, Bassai Dai und Bassai Sho, Kanku Dai und Kanku Sho sowie Ji’in und Jitte. Die fünf Heian Kata sowie die Kata Meikyo, Gojushiho Sho und Gojushiho Dai hingegen sind alleine Yasutsune Itosu sind zu verdanken. In der Folge entwickelten viele Meister eigene Stile, die sich durch unterschiedliche philosophische Ansichten und Interpretationen von Kampftechniken voneinander unterschieden: - Gichin (Shoto) Funakoshi entwickelte das Shotokan Ryu;
- Chojun Miyagi das Goju Ryu;
- Hironori Otsuka das Wado Ryu;
- Kenwa Mabuni das Shito Ryu.
Die Kata Empi, Unsu, Nijushiho und Sochin stammen aus dem Tomari Te. Die Kata Empi erlernte Kosaku Matsumora von einem chinesischen Shaolin-Mönch namens Wanshu und gab sie, wie die von ihm selbst entwickelten Kata Unsu, Nijushiho und Sochin, weiter an seine Schüler Chotoku Kyan, Choki Motobu und Ankichi Aragaki. Insbesondere Ankichi Aragaki entwickelte die Kata weiter. Kenwa Mabuni, Begründer des Shito Ryu, war nicht nur Schüler von Anko Azato und Yasutsune Itosu, sondern auch von Ankichi Aragaki und massgeblich an der Weiterentwicklung der Kata Empi, Unsu und Nijushiho beteiligt. Den letzten Schliff zur definitiven Form die heute geübt wird, erhielten diese Kata allerdings hauptsächlich von Yoshitaka Funakoshi, in der Folge Gigo Funakoshi genannt.
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